Mehr als nur Schlaglöcher: Neckarsulms Mängelmelder als Baustein der Bürgerbeteiligung

Von
Janec Kohlschütter
19/6/2026
5 Minuten
Einwohnerzahl:
26.500

In den ersten acht Wochen löste Neckarsulm über 60 von 100 gemeldeten Mängeln mithilfe des Mängelmelders von Go Vocal - konkret, schnell und mit direktem Feedback. Was nach einem simplen IT-Tool klingt, ist ein Baustein für gelebte Demokratie vor der Haustür.

Die wichtigsten Ergebnisse:

8 Wochen

bis zu messbaren Ergebnissen – vom Go-Live zur nachweisbaren Wirkung für Bürger*innen und Verwaltung

>60%

Lösungsquote in den ersten zwei Monaten

Null Warteschlangen

jede Meldung wird automatisch kategorisiert, georeferenziert und an die richtige Stelle weitergeleitet

Buchen Sie ein unverbindliches Gespräch, um unsere digitale Beteiligungsplattform in Aktion zu sehen und zu erfahren, wie Sie mehr erreichen können.

Jetzt ein Produktgespräch planen

Warum der öffentliche Raum für die Demokratie wichtig ist

Demokratiezufriedenheit entsteht nicht nur an der Wahlurne oder im Stadtratssaal. Sie entsteht auch in der Alltagserfahrung: Ist die Straße vor meiner Haustür in Ordnung? Funktioniert die Straßenlaterne im Park? Kann mein Kind sicher im Park spielen?

Ein gut aufgestellter Mängelmelder macht Beteiligung niedrigschwellig: kein Forum, keine Sitzung, kein Voranmelden bei einer Bürgerversammlung. Man fotografiert, schreibt zwei Sätze, und die Verwaltung antwortet. Für Menschen, die nie zu einer Podiumsdiskussion gehen würden, ist das eine einfache Form wirksamer Teilhabe.

Der Einwand, ein Mängelmelder sei „keine echte Bürgerbeteiligung", verkennt, wie Vertrauen in Demokratie entsteht. Wer erlebt, dass die Stadt auf ein Schlagloch reagiert, traut ihr auch zu, bei größeren Vorhaben gehört zu werden.

Ist ein Mängelmelder wirklich Bürgerbeteiligung?

Wenn Kommunen über Bürgerbeteiligung sprechen, denken viele zunächst an Bürgerforen, Leitbildprozesse oder einen Bürgerhaushalt. Ein Mängelmelder, d.h. ein Tool, mit dem Einwohner*innen kaputte Straßenlaternen oder falsch entsorgten Müll melden, wirkt dagegen wie eine einfache Verwaltungshilfe.

Neckarsulm, eine Mittelstadt mit rund 26.500 Einwohner*innen ist dem Wunsch der Bevölkerung nachgekommen, einen digitalen Meldeweg zu schaffen. Doch häufig haben diese Lösungen eine zentrale Schwäche: Sie sind vom Rest der Bürgerbeteiligung isoliert und die Bearbeitung ist kompliziert. Konkret bedeutet das, dass Mängel zwar ankommen, der Prozess aber für Bürger*innen kaum nachvollziehbar ist und die interne Weiterleitung über manuelle Schritte geht.

Gleichzeitig stellte sich eine grundsätzliche Frage: Rechtfertigt ein Mängelmelder die Anbindung an eine vollwertige Beteiligungsplattform? Ist das Engagement rund um kaputte Gehwegplatten überhaupt demokratische Teilhabe?

Die Stadt Neckarsulm hat diese Frage mit Ja beantwortet und die bisherige Erfahrung zeigt, dass es die richtige Entscheidung war. 

Wie die Stadt Neckarsulm den Mängelmelder nutzt 

Anfang 2026 entschied die Stadt Neckarsulm, eine zentrale digitale Beteiligungsplattform einzuführen: Go Vocal, erreichbar unter mitgestalten.neckarsulm.de. Der Mängelmelder war eines der ersten Projekte, die auf der Plattform live gingen. Darüber hinaus startete die Stadt mit einem Fotowettbewerb, einer Beteiligung zu einem Sanierungsgebiet und einem Vorschlagsprojekt zur Belebung der Innenstadt.

Alle Bewohner*innen Neckarsulms können bei Sichtung eines öffentlichen Mangels über die Plattform ein georeferenziertes Foto einreichen. Dabei ist es besonders hilfreich, dass der Standort automatisch erkannt wird und die Anwendung für das Handy optimiert ist. Das Amt für Stadtentwicklung und Baurecht ist verantwortlich für die Koordination mit dem Bauhof und bekommt alle relevanten Informationen auf einmal: wo genau das Problem liegt, wie es aussieht, wer es gemeldet hat. 

Lange Rückfragen und Prozesse entfallen, da jede Meldung einer Kategorie zugeordnet wird und automatisch an die zuständige Stelle weitergeleitet wird. Wenn die Verwaltung den Mangel behoben hat, kann der Status mit einem Klick geändert werden und eine automatische E-Mail-Benachrichtigung wird versandt. Die Meldung wird öffentlich angezeigt, sodass der Prozess für alle Seiten transparent ist und keine Doppelmeldungen entstehen.

„Unser Mängelmelder hat die Zusammenarbeit mit dem Bauhof und unseren Fachbereichen spürbar vereinfacht. Die Meldungen kommen direkt georeferenziert und mit Fotos rein — die Zuständigen wissen sofort, wo der Schuh drückt, ohne lange Rückfragen. Das kommt intern sehr gut an. Und das spiegelt sich in den Zahlen wider: In den ersten acht Wochen haben wir bereits über 60 von 100 gemeldeten Mängeln abschließend bearbeitet."

– Manuel Heer
, Amtsleitung, Amt für Stadtentwicklung und Baurecht, Stadt Neckarsulm

Was zunächst wie ein interner Effizienzgewinn klingt, hat auch eine nach außen gerichtete Wirkung: Bürger*innen, die einen Mangel melden und dann die Rückmeldung erhalten, dass das Problem behoben wurde, erleben Verwaltung als handlungsfähig. Das ist keine Kleinigkeit. 

Mehr als ein Mängelmelder: die Plattform als Werkzeugkasten

Der Mängelmelder ist dabei nur der Einstieg. Go Vocal bietet eine umfangreiche Werkzeugkiste für Bürgerbeteiligung: Umfragen mit integrierten Karten, Ideenfingungsprojekte, Vorschlagswesen, Bürgerbudgets. 

Der große Vorteil: Die registrierten Nutzer*innen des Mängelmelders können auch für andere Beteiligungsverfahren eingeladen werden. Dadurch entsteht, auch in ruhigen Sommermonaten, eine kontinuierlich wachsende Basis von Nutzer*innen. Diese können problemlos zur Teilnahme an Umfragen, Abstimmungen oder Ideenfindungsprozessen eingeladen werden.  

Empfehlungen für andere Kommunen

Neckarsulm hat mit einem konkreten, verständlichen Format angefangen und dabei bewusst auf Niedrigschwelligkeit gesetzt. Für Kommunen, die Ähnliches planen empfehlen wir:

  • Fangen Sie mit dem Konkreten an. Abstrakte Beteiligungsformate können abschreckend wirken. Ein Mängelmelder ist greifbar, unmittelbar nützlich und erzeugt schnelle Erfolgserlebnisse — für Bürger*innen und Verwaltung gleichermaßen.
  • Intern vorbereiten. Ein Mängelmelder, der bei der Verwaltung ankommt, aber nicht zeitnah bearbeitet wird, richtet mehr Schaden an als keiner. Klären Sie im Voraus, wer für welche Kategorien zuständig ist.
  • Automatisierte Workflows nutzen. Georeferenzierung, automatische Kategorisierung und Statusbenachrichtigungen reduzieren den internen Aufwand erheblich.
  • Über den Mängelmelder hinausdenken. Eine Beteiligungsplattform wie Go Vocal bietet mehr: Umfragen mit Karte, Vorschlagssysteme oder Bürgerbudgets. Der Mängelmelder ist ein guter Weg für konstante Aktivität auf der Plattform, lässt die Nutzerzahlen wachsen und hilft den Bürger*innen dabei, sich mit der Plattform vertraut zu machen.   
  • Ergebnisse aktiv kommunizieren. Zahlen wie „60 gelöste Meldungen in 8 Wochen” zeigen, dass Beteiligung Wirkung hat. Das ist kein Marketing sondern tägliche Demokratiepflege.

‍„Unser Mängelmelder hat die Zusammenarbeit mit dem Bauhof und unseren Fachbereichen spürbar vereinfacht. In den ersten acht Wochen haben wir bereits über 60 von 100 gemeldeten Mängeln abschließend bearbeitet."
Manuel Heer
,
Amtsleitung, Amt für Stadtentwicklung und Baurecht, Stadt Neckarsulm
Von
Janec Kohlschütter

Janec Kohlschütter ist Regionaldirektor DACH bei Go Vocal und begleitet Städte und Gemeinden im deutschsprachigen Raum dabei, Bürgerbeteiligung strukturiert und wirkungsvoll zu gestalten.

Janec Kohlschütter beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, wie moderne Demokratie im digitalen Zeitalter funktionieren kann – und was Kommunen dafür brauchen.

Vor seiner Tätigkeit bei Go Vocal sammelte er praktische Erfahrung als Inhouse-Consultant für die Bundesregierung und kennt die Realitäten des öffentlichen Sektors aus eigener Anschauung. Sein Master in Public Policy von der Hertie School – einer der renommiertesten Hochschulen für Regierungs- und Verwaltungswissenschaften in Deutschland – bildet die akademische Grundlage seiner Arbeit.