Gesundes Österreich: Best Practices nach einem Jahr Gesundheitsbeteiligung

Von
Kathleen Wächter
26/5/2026
5 Minuten
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Seit gut 12 Monaten läuft die neue, vom österreichischen Gesundheitsministerium initiierte „Beteiligungsplattform für Gesundheit“ der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG). Eine Go-Vocal-Plattform, auf der alle Beteiligungsprojekte rund um das Thema Gesundheit zusammenlaufen sollen. Das Ziel: Österreicher*innen sollen Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und in der Versorgung mitgestalten können.

Die wichtigsten Ergebnisse:

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Wie wichtig gesellschaftliche Einbindung an Entscheidungsprozessen in gesundheitlichen Fragen ist, hat schon die Weltgesundheitsorganisation deutlich gemacht. In ihrem Report „Social participation for universal health coverage“ (WHO, 2023) wird betont, dass eine inklusive Gesundheitsbeteiligung nicht nur die Einzelnen, sondern die Gemeinschaft als Ganzes und auch die Zivilgesellschaft stärken. Gesundheitsbeteiligung fördere einen gerechten Fortschritt, führe zu bedarfsgerechteren Gesundheitspolitiken und -programmen und trage dazu bei, das Vertrauen der Bevölkerung in das Gesundheitswesen zu vertiefen, heißt es im Report.

Bisher ist das Gesundheitswesen meist top down gestaltet. Das heißt, viele Fragen werden bisher noch ohne Einbindung der Bevölkerung entschieden.

Österreich will das anders machen. Mit der Beteiligungsplattform für Gesundheit wird eine neue Kultur der Beteiligung im Gesundheitswesen eingeläutet. Wie die GÖG ins Gelingen kommt, zeigt sich am besten an Beispielen aus der Praxis:


Mit hybrider Beteiligung in ein neues Zeitalter des Gesundheitswesens

Beispiel 1: Strategie zur Stärkung von Patient*innen- und Bevölkerungsbeteiligung im Gesundheitswesen

Mit diesem Beteiligungsprojekt sollen klare Vereinbarungen getroffen werden, wie welche Personen bzw. Vertreter*innen von Organisationen bei Entscheidungen im Gesundheitswesen mitbestimmen können.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz soll, gemeinsam mit Vertretungen von Bund, Ländern und Sozialversicherung sowie der organisierten Zivilgesellschaft, eine Strategie zur Stärkung von Patienten- und Bevölkerungsbeteiligung im Gesundheitswesen entwickelt werden.

Dieser Prozess wurde auf der Plattform im Juli 2025 mit einer breit angelegten Online-Umfrage ergänzt, um die Perspektiven der Bevölkerung umfassender einzubeziehen. Über 6000 zufällig ausgewählte Personen waren eingeladen, sich in diese frühe Beteiligungsphase einzubringen. Interessierte, die an der Umfrage teilnahmen, hatten danach die Möglichkeit, die Ergebnisse bei einem Bürger*innenforum zu besprechen.

Wir haben, mittels eines Auszugs aus dem Melderegister, 6.000 Personen mit einem persönlichen Brief zur Teilnahme eingeladen. Zusätzlich nutzten wir Newsletter und LinkedIn, um über die Beteiligung zu informieren. 
Repräsentativität ist bei solchen Nischenthemen immer eine Herausforderung. Aber es war sehr hilfreich, die Zahlen auf der Plattform im Blick zu haben, um zu sehen, wen wir mit den Formaten, die wir nutzen, und für unsere Themen nicht erreichen.”
Irina Vana, Projektleitung & Health Expert

Abgefragt wurden beispielsweise bisherige Beteiligungserfahrungen mit Blick auf Gesundheitsthemen sowie Ideen und Faktoren, die mehr Beteiligung von Bürger*innen zu Gesundheitsthemen gelingen lassen. Mithilfe der Umfrage wollten die Initiator*innen Interesse an Gesundheitsbeteiligung genauso wecken, wie konkrete Beteiligungsmöglichkeiten auszuloten, die im Alltag der Menschen realistisch umsetzbar sein könnten.

Screenshot von der Beteiligungsplattform für Gesundheit

Online + Offline = hybrider Beteiligungsmix

Die Umfrageergebnisse aus der Online-Beteiligung bildeten die Grundlage für ein Bürger*innen-Forum im Oktober 2025. Bei diesem Offline-Format wurden die Erkenntnisse präsentiert und in Workshops und Diskussionsrunden weiterentwickelt. Dabei ging es bspw. um das Entwickeln mehrsprachiger Gesundheitsinformationen genauso wie um kommunale Care-Räte. Dafür kam auch die neue ECHO-Technologie von Dembrane auf der Go Vocal-Plattform zum Einsatz: vor Ort gesammelte (sprachliche) Rückmeldungen oder Interviews wurden zu durchsuchbarem Text konvertiert, aus der die KI Schlüsselthemen und Anliegen identifizieren konnte. Diese konnten in die weitere Prozesserarbeitung einfließen. Die Plattform begleitete jede dieser Phasen und hielt alle Zwischenergebnisse online fest. 

Beispiel 2: Mit Jugendgesundheitskonferenzen Jugendbeteiligung stärken

Hybride Beteiligungsansätze und eine zielgruppengerechte Ansprache spielen auch bei Jugendgesundheitsprojekten eine wichtige Rolle, die einen separaten Auftritt auf der Beteiligungsplattform haben. Mit dem Slogan “Rede mit, wenn es um DEINE Gesundheit geht!“ werden Kinder und Jugendliche empowert, ihr Leben und ihre Gesundheit aktiv mitzugestalten. Der Name der Beteiligungsseite auf der Plattform “YouthVOICE” wurde gemeinsam mit den Jugendlichen gefunden. 

Ein Vorzeigeprojekt der GÖG-Jugendbeteiligung und wichtiges Instrument zur Partizipation von Kindern und Jugendlichen sind die Jugendgesundheitskonferenzen. In Wien und in der Steiermark konnte mit den Jugendkonferenzen so viel Impact geschaffen werden, dass das Format jetzt auch in anderen Bundesländern umgesetzt wird. Der Förderzeitraum ist bis 2028 gesichert. 2027 soll erstmals eine Jugendgesundheitskonferenz auf Bundesebene stattfinden. Werfen wir einen genaueren Blick ins Projekt, zum Beispiel nach Oberösterreich. Welche hybriden Ansätze werden bei Jugendbeteiligung und Gesundheit konkret verfolgt?

Beteiligungsplattform fördert Peer-Education zum Thema psychische Gesundheit

Die Jugendgesundheitskonferenz in Oberösterreich fand im Frühjahr 2025 statt. Unter dem Titel „Mental Genial: Ein starkes Zeichen für psychosoziale Gesundheit“ konnten Jugendliche miteinander und voneinander mehr über das Thema psychosoziale Gesundheit lernen. In der EU lebt ein Siebtel aller Kinder und Jugendlichen laut WHO mit einer psychischen Erkrankung. Ein relevantes Thema also, zu dem die jungen Österreicher*innen eigene Themen entwickeln und Projekte ins Laufen bringen konnten. 

Quelle: Beteiligungsplattform für Gesundheit, GÖG 

Ergänzende Partizipation auf der Plattform: ortsunabhängig und niedrigschwellig  

1100 Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren waren bei der Konferenz in Oberösterreich dabei. Im analogen Raum fanden über 40 Workshops, Vorträge, Sport- und andere Mitmachaktionen statt. Die Beteiligungsplattform bereitete zudem vor Ort gesammelte Daten auf, band wirksame Maßnahmen und Werkzeuge ein und regte weiteren Austausch und Reflexion an. Unter dem Titel „Aha-Moment“ waren die Jugendlichen eingeladen zu berichten, was sie persönlich bei der Konferenz besonders bewegend oder lehrreich fanden. Über 220 junge Useri*nnen haben sich für diese Form der Rückmeldung entschieden und auf der Beteiligungsplattform für Gesundheit registriert. 

Das aktuellste Jugendbeteiligungsprojekt der GÖG heißt „True Connection - Gemeinsam statt einsam“. Hier werden Kinder und Jugendliche aktiv eingebunden, ihre Ideen für mehr soziale Verbundenheit und gegen Einsamkeit einzubringen. Das Projekt ist gerade erst angelaufen und wird vielleicht für den nächsten Case ein interessantes Beispiel außergewöhnlicher Jugendbeteiligung. 


Jugendbeteiligung  im Gesundheitsbereich hat großes Potenzial und zeigt, wie wichtig es ist, junge Menschen substantiell und langfristig einzubinden. Die positiven Erfahrungen mit hybriden Beteiligungsformaten sprechen klar dafür, diesen Ansatz weiter fortzuführen. Wie die Zukunft des Gesundheitswesens sich gestaltet, hängt ganz stark davon ab, dass alle dran bleiben – die Plattform ist ein verlässlicher Partner in diesem Prozess.” 
Irina Vana, Projektleitung & Health Expert

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Kathleen Wächter

Kathleen ist eine unabhängige Redakteurin und widmet sich einer Vielzahl Themen wie Demokratie, Nachhaltigkeit und Geschlechtergerechtigkeit. Sie arbeitet ausschließlich mit "den Guten" zusammen.