.jpg)

Tausende Einwohner*innen in politische Entscheidungen einbeziehen? Für viele Kommunen ist das nach wie vor eine Herausforderung. Nicht für Goeree-Overflakkee. Mit einer zentralen Beteiligungsplattform erreicht die Kommune heute ein breites Publikum – bei großen politischen Entscheidungen ebenso wie bei lokalen Projekten. Was früher fragmentiert und ad hoc verlief, ist zu einem strukturierten Ansatz herangewachsen, der Beteiligung sichtbar, zugänglich und skalierbar macht.
Die Plattform hat eine wachsende Community von Einwohner*innen aufgebaut, die erneut eingeladen werden können.
In etwa jedem fünften Haushalt ist jemand auf der Plattform registriert.
Projekte, Kommunikation, Beiträge der Einwohner*innen und Analyse laufen an einem Ort zusammen.
2022 verabschiedete der Gemeinderat von Goeree-Overflakkee sein Positionspapier zur „gesellschaftlichen Teilhabe“. Das Dokument war fundiert und gut recherchiert, aber schwer in die Praxis zu übersetzen.
„Das Papier selbst war fundiert, aber gleichzeitig auch ein schwieriges, fast akademisches Dokument.“
- Willeke Moerkerk, Programmleiterin, Goeree-Overflakkee
Deshalb erhielt die Organisation im Koalitionsvertrag desselben Jahres einen klaren Auftrag: dafür zu sorgen, dass die Teilhabepolitik tatsächlich umgesetzt wird. 2023 übernahm Willeke diesen Auftrag. Nachdem sie einen klaren Programmplan erstellt hatte, kam sie schnell zu dem Schluss, dass die bisherige Arbeitsweise nicht ausreichte:
„Kolleg*innen taten oft einfach das, was ihnen im jeweiligen Moment logisch erschien. Mal führte ein Team eine Umfrage durch, mal wurde eine externe Agentur beauftragt, einen Prozess aufzusetzen. Es gab kaum einen strukturellen Überblick oder eine gemeinsame Herangehensweise.“
Der Umsetzungsplan enthielt eine klare Priorität: die Auswahl und Einführung einer zentralen digitalen Beteiligungsplattform.
Die Plattform sollte mehrere Zwecke zugleich erfüllen:
Die Kommune prüfte mehrere Lösungen, wobei die Benutzerfreundlichkeit eine zentrale Anforderung war.
„Es war uns wichtig, dass unsere Projektleiter*innen einfach damit arbeiten können. Die Plattform musste intuitiv sein und mögliche Hürden abbauen. Nach Gesprächen mit mehreren Referenzkommunen und einer gründlichen Evaluation haben wir uns für Go Vocal entschieden.“
Die Einführung der Plattform veränderte auch die interne Arbeitsweise der Teams, erklärt Kommunikationsmitarbeiterin Janine Roos.
„Projektleiter*innen und Politikberater*innen, die Einwohner*innen über die Plattform einbeziehen möchten, sprechen jetzt zunächst mit der Plattformverantwortlichen. Gemeinsam überlegen wir, wie sich der Beteiligungsprozess am besten organisieren lässt und wie wir den Online-Teil angehen.“
Diese Gespräche behandeln Fragen wie: Welche Phasen soll das Projekt umfassen, was möchte das Team die Einwohner*innen fragen, und wie werden die Ergebnisse zurückgemeldet?
Das hilft Kolleg*innen dabei, früher an Beteiligung zu denken und sie bewusster anzugehen. Gleichzeitig macht die Plattform den Prozess weniger einschüchternd.
„Früher wirkte Beteiligung manchmal kompliziert. Jetzt können wir einfach sagen: Kommt vorbei, und wir überlegen gemeinsam, wie wir das Projekt am besten aufsetzen. Ehe man sich versieht, ist das Projekt online.“
Digitale Beteiligung wird oft mit großen politischen Projekten assoziiert. Goeree-Overflakkee nutzt seine Plattform für diese größeren Prozesse, bezieht Einwohner*innen aber auch bewusst in kleinere, sehr lokale Entscheidungen ein.
Ein Beispiel: Einwohner*innen einiger weniger Straßen wurden zur Einführung eines Anwohnerparkausweissystems befragt.
„In solchen Fällen erhalten nur die direkt betroffenen Einwohner*innen Zugang zum Beteiligungsprojekt.“
Einwohner*innen erhalten ein Schreiben, das die geplante Änderung erklärt, und können anschließend online reagieren.
„Wir prüfen unsere Entscheidungen bei den Menschen, die ihre Auswirkungen direkt zu spüren bekommen.“
Goeree-Overflakkee bittet Einwohner*innen bei den meisten Beteiligungsprojekten bewusst um eine Registrierung. Das hilft der Kommune, eine dauerhafte Community von Menschen aufzubauen, die erneut einbezogen werden können.
Die Plattform zählt inzwischen mehr als 4.600 registrierte Nutzer*innen bei rund 20.000 Haushalten. Das bedeutet, dass in etwa jedem fünften Haushalt der Kommune jemand auf der Plattform registriert ist.
Das macht beim Start neuer Projekte einen deutlichen Unterschied.
„Wir können Einwohner*innen jetzt direkt per E-Mail informieren, sobald ein neues Projekt online geht. Dieser direkte Ansatz führt zu einer deutlich höheren Resonanz und gibt uns eine starke Community, die wir mühelos erneut einladen können. Wir müssen nicht mehr jedes Mal bei null anfangen.“
Registrierung ist nur ein Teil des Ansatzes. Damit Beteiligung zugänglich und inklusiv bleibt, bietet die Kommune auch andere Wege zur Teilnahme an.
Online-Projekte werden, wo möglich, mit Präsenzterminen kombiniert, und Einwohner*innen können Umfragen auch auf Papier ausfüllen. Diese Papierantworten lassen sich anschließend in die Plattform einpflegen und in dieselbe Analyse einbeziehen wie die Online-Beiträge.
Die Plattform hat nicht nur die Reichweite von Goeree-Overflakkee vergrößert. Sie hat auch verändert, wie die Mitarbeitenden die Beiträge der Einwohner*innen verarbeiten.
Beteiligungsprojekte erzeugen oft eine große Zahl offener Antworten, deren Sichtung und Auswertung Stunden dauern kann. Die KI-Analysetools der Plattform helfen den Teams, diese Beiträge schneller zu verarbeiten.
Janine testete die Tools bei der Auswertung einer Umfrage zur Umgebungsvision der Kommune.
„Die Umfrage hatte etwa zehn bis fünfzehn Fragen, mit jeweils Dutzenden offenen Antworten. Ich habe zunächst alles selbst gelesen und ausgewertet, das hat mich drei bis vier Stunden gekostet.“
Bei größeren Projekten mit Hunderten oder sogar Tausenden Antworten wird die manuelle Auswertung schnell kaum noch zu bewältigen.
„Genau da hilft KI enorm. Sie clustert Antworten und hilft dabei, die wichtigsten Themen zu erkennen.“
Besonders wertvoll fand Janine die Insights-Funktion:
„Man kann verschiedene Fragen nebeneinanderlegen und Zusammenhänge entdecken, die einem selbst vielleicht nicht sofort auffallen würden. KI eröffnet neue Perspektiven. Sie gibt einen breiten Überblick und macht es leicht, interessante Muster in den Antworten zu erkunden. Ich habe nicht nur getestet, ob es schneller ging. Ich wollte auch wissen, ob die Zusammenfassungen genau und verlässlich waren – und das waren sie.“
Der Einsatz digitaler Beteiligung hat in Goeree-Overflakkee nicht nur zu mehr Rückmeldungen von Einwohner*innen geführt, sondern auch zu einem deutlichen Wandel darin, wie Beteiligung in der Organisation und der Gemeinschaft organisiert wird. Diese Wirkung zeigt sich auf verschiedene Weise.
Eine aktuelle Runde der niederländischen landesweiten Befragung „Waar staat je gemeente?“ („Wo steht Ihre Kommune?“) zeigt bei einem Wert eine deutliche Verbesserung: wie sehr Einwohner*innen das Gefühl haben, dass sich die Kommune bemüht, sie in Politik und Entscheidungsfindung einzubeziehen.
Laut Willeke Moerkerk ist diese Verbesserung teilweise der Beteiligungsarbeit der vergangenen Jahre und dem Einsatz der Go-Vocal-Plattform zu verdanken. „Wir sehen das als wichtige Bestätigung dafür, dass unser Beteiligungsansatz wirkt.“
Auch intern zeigt sich die Wirkung. „Beteiligung wird zunehmend zu einem selbstverständlichen Schritt beim Start eines Projekts.“ Projektleiter*innen und Mitarbeitende aus dem Politikbereich denken früher und häufiger an Beteiligung. „Wo Einwohner*innen früher vor allem bei großen Projekten einbezogen wurden, geschieht das jetzt auch bei kleineren, alltäglichen Themen.“
Die Plattform erleichtert zusammen mit der Unterstützung durch die Administrator*innen die Organisation von Beteiligung. Das hat auch die Hürde für Kolleg*innen gesenkt. „Außerdem verbreiten sich positive Erfahrungen schnell in der Organisation, und das inspiriert andere Teams dazu, Einwohner*innen auf ähnliche Weise einzubeziehen.“
Schließlich zeigt sich die Wirkung dieses Wandels auch in der Beziehung zu den Einwohner*innen. Willeke und Janine nennen zwei klare Effekte: „Erstens fühlen sich Einwohner*innen stärker in lokale Projekte und Politik einbezogen. Zweitens haben sie einen viel besseren Überblick, sie wissen viel klarer, was tatsächlich vor sich geht.“
Dank Go Vocal müssen Einwohner*innen deutlich weniger „suchen“. „Für Einwohner*innen ist es eine Erleichterung, einen einzigen Ort zu haben, an dem sie Informationen finden, ihre Meinung einbringen und sehen können, was damit passiert. Sie erhalten gezielte E-Mails und finden alles an einem zentralen Ort. Es gibt keine Zersplitterung mehr.“
Goeree-Overflakkee arbeitet eng mit dem Go-Vocal-Team zusammen. Die feste Ansprechperson hilft bei technischen Fragen, berät aber auch bei der Gestaltung von Beteiligungsprojekten.
„Die Unterstützung geht über das Erklären von Schaltflächen, Tools oder Funktionen hinaus. Es wird wirklich mit uns mitgedacht, wie man Beteiligung wirksam organisiert.“
Das Team nutzt außerdem die Go-Vocal-Webinare, „Lunch & Learn“-Sessions und das Inspirationszentrum, in dem Kommunen die Projekte anderer entdecken und von erfolgreichen Ansätzen lernen können.
Manchmal führt diese Inspiration direkt zu konkretem Handeln.
„In einer Session haben wir gehört, wie eine andere Kommune mit einem einfachen Brief und einer Kuchenaktion mehr Registrierungen erzielt hat. Diese Idee haben wir fast eins zu eins übernommen.“
Beteiligung ist inzwischen fest in der Arbeit von Goeree-Overflakkee zu öffentlichem Raum und Lebensumfeld verankert. Willeke sieht weiterhin Möglichkeiten, sie auf andere Politikbereiche auszuweiten.
„Im sozialen Bereich ist Beteiligung oft komplexer. Teams arbeiten dort meist mit festen Partnern und Netzwerken, und Themen wie Jugendhilfe, vulnerable Gruppen oder Sozialleistungen sind sensibler und erfordern einen anderen Ansatz.“
Der Anspruch bleibt, Einwohner*innen auch in diesen Bereichen häufiger einzubeziehen.
„Bestehende Arbeitsweisen zu verändern braucht Zeit, aber wir sind auf dem richtigen Weg. In diesen Bereichen legen wir bereits großen Wert auf die Messung von Zufriedenheit, und Go Vocal hilft uns, weitere Möglichkeiten zu erkennen, auch dort Beteiligung einzuführen.“
Wenn andere Kommunen nach ihren Erfahrungen fragen, betonen Willeke und Janine, dass der Wert der Plattform über das reine Verlagern von Beteiligung ins Digitale hinausgeht.
„Die Plattform hilft uns, Beteiligung digital zu organisieren, aber vor allem hilft sie uns dabei, Beteiligung zu einem festen und zugänglichen Bestandteil der Arbeit der Kommune zu machen. Ihre Benutzerfreundlichkeit, die KI-Analyse und die E-Mail-Funktionen ermöglichen es uns, auch mit begrenzten Kapazitäten viele Einwohner*innen zu erreichen.“
Für Goeree-Overflakkee bildet die Plattform heute eine solide Grundlage, um den Beteiligungsansatz weiter auszubauen.
„Beteiligung endet nicht nach einem Projekt. Es geht darum, Einwohner*innen dauerhaft in die Entscheidungen einzubeziehen, die man trifft. Die Go-Vocal-Plattform hilft uns, diesen Ansatz Schritt für Schritt weiter auszubauen.“

Waddinxveen, eine Gemeinde in der Provinz Südholland, ist die am schnellsten wachsende Stadt der Niederlande und zählt heute fast 35.000 Einwohner*innen. 30 % von ihnen sind unter 25 Jahre alt, und bis 2050 wird dieser Anteil auf 40 % steigen. Dieser demografische Trend hat für die Gemeinde eine drängende Frage aufgeworfen: Wie bezieht man selbst die jüngsten Einwohner*innen in Entscheidungen über die Zukunft ein? Esther van Ellinkhuizen, Mitarbeiterin für Ratsangelegenheiten und Kinderbeteiligung, erklärt, wie sie das macht.
%2520copy.webp)
In Rijswijk, einer Kommune mit rund 57.000 Einwohner*innen in Südholland, liegt ein Ort mit bemerkenswerter Geschichte. Am Hof van Sion entdeckten Archäolog*innen die Überreste eines Klosters aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Heute ist der Hof van Sion Teil von RijswijkBuiten, einem nachhaltigen neuen Stadtviertel. Als die Kommune dort einen neuen Gemeinschaftstreffpunkt schaffen wollte, fragte sie die Einwohner*innen, was sie sich wünschten. Diese teilten ihre Ideen online über eine interaktive Karte.

Amstelveen, direkt vor den Toren Amsterdams gelegen, arbeitet gemeinsam mit den Einwohner*innen an einer grüneren, einladenderen und inklusiveren Stadt. Über die Online-Beteiligungsplattform können Einwohner*innen langfristige Pläne für die Stadt mitgestalten, sich an der Planung neuer Stadtviertel beteiligen und Ideen für kleinere Verbesserungen einbringen, die im Alltag einen sichtbaren Unterschied machen.