Wie Waddinxveen jüngeren Einwohner*innen eine echte Stimme gibt

Von
Sören Fillet
16/10/2024
7 Minuten
Einwohnerzahl:

Waddinxveen, eine Gemeinde in der Provinz Südholland, ist die am schnellsten wachsende Stadt der Niederlande und zählt heute fast 35.000 Einwohner*innen. 30 % von ihnen sind unter 25 Jahre alt, und bis 2050 wird dieser Anteil auf 40 % steigen. Dieser demografische Trend hat für die Gemeinde eine drängende Frage aufgeworfen: Wie bezieht man selbst die jüngsten Einwohner*innen in Entscheidungen über die Zukunft ein? Esther van Ellinkhuizen, Mitarbeiterin für Ratsangelegenheiten und Kinderbeteiligung, erklärt, wie sie das macht.

Die wichtigsten Ergebnisse:

12 junge Vertreter*innen

Jede Grundschule in Waddinxveen ist im Kinderausschuss vertreten.

4 bis 6 Treffen pro Jahr

Ein überschaubarer Zeitplan lässt sich leicht mit Schule und anderen Aktivitäten vereinbaren.

Fast zwei Drittel dafür

Eine Umfrage ergab breite Unterstützung der Einwohner*innen für einen offiziellen Kinderrat.

Von einer symbolischen Rolle zu echtem Einfluss

Als Esther bei der Gemeinde zu arbeiten begann, spielte Kinderbeteiligung kaum eine Rolle. Es gab zwar einen Kinderbürgermeister – bereits den vierten –, doch die Rolle war größtenteils zeremoniell.

Esther sah darin mehr Potenzial: „Es war ein fragiles Konstrukt. Ein Kinderbürgermeister setzt sich für ein bestimmtes Ziel oder Projekt ein, und man kann nicht einem einzigen Kind die Verantwortung aufbürden, sich zu unserer gesamten Politik zu äußern. Außerdem gibt es keine Vertretung, wenn dieses Kind zum Beispiel krank ist oder im Urlaub.“

Ihr Plan? Schrittweise von symbolischer Beteiligung zu einer Beteiligung mit mehr Wirkung übergehen. „Die Idee ist, Schritt für Schritt auf ein System hinzuarbeiten, in dem Kinder sich zu verschiedenen politischen Themen äußern können“, erklärt Esther. „Deshalb habe ich 2023 einen Kinderausschuss eingerichtet, um mehr Kinder bis 12 Jahre bei mehr Themen einzubeziehen. Gleichzeitig prüfe ich auch, ob wir in Waddinxveen einen echten Kinderrat einrichten können.“

Für diese Recherche startete Esther eine Umfrage auf der Go-Vocal-Beteiligungsplattform der Gemeinde. Dabei zeigte sich, dass fast zwei von drei Einwohner*innen die Idee gut fanden. Esther: „Die Umfrage enthielt auch eine offene Frage, bei der Einwohner*innen ihre Wünsche, Ideen und Anmerkungen zu diesem Thema mitteilen konnten.“ Dank des KI-Analysetools konnte die Gemeinde Waddinxveen diese offenen Antworten automatisch zusammenfassen. Von dort aus war es einfach, die Ergebnisse über den Report Builder auf der Plattform zu teilen.

Der Kinderausschuss in Aktion

Der Kinderausschuss übernimmt eine vielseitige Rolle. Die Kinder äußern sich zu verschiedenen Themen und geben Ratschläge. Außerdem helfen sie bei Veranstaltungen mit.

Esthers Kolleg*innen stehen Schlange, um den Ausschuss zu befragen: „Im ersten Jahr machten sechs Kinder mit. Heute besteht der Ausschuss aus zwölf begeisterten jungen Einwohner*innen von Waddinxveen, wobei jede Grundschule vertreten ist. Das macht ihn zu einer enorm interessanten Gruppe für Kolleg*innen.“

Konkrete Beispiele für Themen, zu denen sich der Kinderausschuss geäußert hat, sind die neue Sicherheitspolitik in Verbindung mit einer sichereren Verkehrsführung sowie der Bau eines neuen Schwimmbads.

„Als am schnellsten wachsende Stadt der Niederlande wollen wir gut auf die Zukunft vorbereitet sein“, fährt Esther fort. „Deshalb haben wir das Projekt ‘Denken Sie mit über Waddinxveen 2050' gestartet. Auch dafür haben wir die Kinder nach ihrer Vision für die Zukunft von Waddinxveen gefragt. Sie äußerten sich zum Beispiel zum Wohnungsbau und dazu, was diese Entwicklung für Spielplätze bedeutet, und vieles mehr.“

Kinder teilen ihre Meinung sehr gerne, und es macht ihnen großen Spaß, etwas zu bewirken und sagen zu können: „Das haben wir gemacht!“
- Esther van Ellinkhuizen

Aber wie entscheidet man, was man den Kindern vorlegt? Und wie stellt man sicher, dass es nicht zu viel oder zu schwierig wird? Esther: „Die Kinder geben bei einem der ersten Treffen an, zu welchen Themen sie sich äußern möchten, und das ist für mich die Richtschnur. Wenn eine Kollegin oder ein Kollege sie zu einem Thema oder Projekt befragen möchte, muss das mit dem übereinstimmen, was die Kinder angegeben haben. Und wenn ich weiß, dass bestimmte Initiativen anstehen, kann ich anhand dieser Liste Kolleg*innen ermutigen, den Kinderausschuss einzubeziehen.“

Aufgrund der DSGVO (der EU-Datenschutz-Grundverordnung) kann Esther die Kinder im Ausschuss – und darüber hinaus – nicht einfach über die Beteiligungsplattform der Gemeinde einbeziehen. Als Alternative wendet sie sich stattdessen an Eltern und Großeltern.

Esther: „Wir bitten sie, die Themen mit den Kindern zu besprechen und dann gemeinsam zum Beispiel eine Online-Umfrage auszufüllen.“ Diese Einschränkungen gelten nicht für Jugendliche ab 16 Jahren. Die kann man also direkt über die Plattform einbeziehen, und das funktioniert gut. Esthers Kolleg*innen haben zum Beispiel ein Projekt für neue Treffpunkte für Jugendliche gestartet.

Die Erfolgsfaktoren

Um die Begeisterung für den Kinderausschuss und die Kinderbeteiligung weiter zu steigern, konzentriert sich Esther auf drei konkrete Punkte:

  1. Auf Sichtbarkeit und Kommunikation setzen

Esther besucht jede Grundschule in Waddinxveen und schaut in den Klassen der ältesten Schüler*innen vorbei. Dort erklärt sie, warum Beteiligung wichtig ist, wie sie funktioniert und wie sich Kinder anmelden können.

„Diese Schulbesuche sind entscheidend“, betont Esther. „Nicht nur, um die Kinder zu informieren, sondern auch, um Beziehungen zu Schulen und Lehrkräften aufzubauen.“

Kommunizieren Sie auch über Erfolge, betont Esther: „Zeigen Sie, was die Beiträge der Kinder tatsächlich bewirken. Das motiviert sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen innerhalb der Gemeinde.“

  1. Klarheit über den Zeitaufwand

Zweitens ist sie klar in Bezug auf den erforderlichen Zeitaufwand. Der Ausschuss trifft sich vier- bis sechsmal im Jahr – ein Zeitplan, der sich gut mit Schule und Hobbys vereinbaren lässt. „Transparenz ist wichtig“, sagt Esther. „Mitzumachen kann abschreckend wirken, aber sobald die Kinder wissen, dass es keine allzu große Belastung wird, werden sie trotzdem begeistert.“

  1. Kreativität bei den Mitteln

Schließlich nutzt Esther die verfügbaren Mittel effizient. Mit einem Jahresbudget von 10.000 € muss sie kreativ sein. Ein Teil dieses Geldes fließt stets in Kommunikationsmaterial und Medientraining für den Kinderbürgermeister und die Ausschussmitglieder.

Der Rest kann dann in Projekte fließen, die die Kinder selbst auswählen. „Wir haben zum Beispiel Lichter an Kreisverkehren angebracht“, erzählt Esther. „Das war eine eigene Idee der Kinder, die auf die Verkehrssicherheit abzielte.“ Ein wirklich wertvoller Tipp: Arbeiten Sie mit anderen Abteilungen und weiteren Partnern innerhalb der Gemeinde zusammen – in diesem Fall mit der Polizei.

Maßgeschneidert

Esther betont, dass jede Gemeinde ihren eigenen Ansatz wählen muss. Was in Waddinxveen funktioniert, passt möglicherweise nicht zum Kontext einer anderen Gemeinde. „Es geht darum, ein Format zu finden, das zur Größe Ihrer Gemeinde passt. In Alphen aan den Rijn, meinem früheren Arbeitgeber, gibt es mehr als 50 Grundschulen. Das sind zu viele, um ein Kind aus jeder Schule in einen Kinderrat aufzunehmen“, erklärt sie. „Dort gilt die Regelung, dass sich in einem Jahr Kinder aus der einen Hälfte der Schulen für den Rat anmelden können und im folgenden Jahr die andere Hälfte.“

Auch politische und verwaltungstechnische Unterstützung sind entscheidend. In Waddinxveen sind sowohl gewählte Vertreter*innen als auch Verwaltungsmitarbeitende von den Vorteilen überzeugt, sodass Investitionen in die Kinderbeteiligung nie infrage gestellt werden. „Diese Unterstützung schafft Raum für Wachstum und Innovation“, erklärt Esther. „Sie ermöglicht es uns, wirklich etwas zu bewirken.“

Ein Modell für wirkungsvolle Jugendbeteiligung

Der Erfolg des Kinderausschusses erzeugt langsam auch einen Dominoeffekt: Er inspiriert die Gemeinde nun dazu, auch die Beteiligung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gezielter anzugehen. „Jugendbeteiligung braucht einen anderen Ansatz als die Beteiligung von Erwachsenen“, sagt Esther.

„Man kann Jugendliche nicht mit denselben formellen, starren Prozessen einbeziehen. Flexibilität ist entscheidend.“

Esther sieht ihre Rolle zudem informell in Richtung einer Expertin und internen Beraterin wachsen. „Ich merke, dass Kolleg*innen mich immer häufiger um Rat fragen“, sagt sie stolz. „Die Zahl der Anrufe und der Personen, die für Tipps vorbeikommen, wächst stetig. Das zeigt, dass das Bewusstsein für die Bedeutung von Kinder- und Jugendbeteiligung in unserer Gemeinde wirklich wächst.“

Stark für die Zukunft

Waddinxveen zeigt, dass sinnvolle Kinderbeteiligung nicht nur möglich ist, sondern auch wertvolle Ergebnisse liefert. Indem die Gemeinde Kinder als ernstzunehmende Gesprächspartner*innen und politische Berater*innen behandelt, schafft sie nicht nur eine bessere Politik, sondern lässt auch eine neue Generation engagierter Einwohner*innen heranwachsen.

„Was mich auch zutiefst berührt und was ich für wichtig halte, hervorzuheben“, schließt Esther, „ist zu sehen, welche positive Wirkung das alles auf die teilnehmenden Kinder hat. Die Freundschaften, die sie schließen, und wie sie in ihre Rolle hineinwachsen. Sie entwickeln Fähigkeiten und Einsichten, die sie ihr ganzes Leben begleiten werden.“

Mit diesem Ansatz positioniert sich Waddinxveen als eine Gemeinde, die für die Herausforderungen von morgen bereit ist – mit der Stimme ihrer jüngsten Einwohner*innen fest in ihrer Politik verankert.

Neugierig, wie Go Vocal auch Ihre eigenen Beteiligungsprojekte auf die nächste Stufe heben kann? Vereinbaren Sie noch heute ein Gespräch mit unseren Expert*innen, um zu entdecken, was unsere Plattform leisten kann.

Buchen Sie ein unverbindliches Gespräch, um unsere digitale Beteiligungsplattform in Aktion zu sehen und zu erfahren, wie Sie mehr erreichen können.

Jetzt ein Produktgespräch planen
,
Von
Sören Fillet

Sören hat ein tiefes Interesse an Politik und demokratischer Innovation. Er strebt danach, Geschichten zu erzählen, die Verwaltungen inspirieren und zu wirkungsvollerer Beteiligung anregen.