Wie Charenton-le-Pont mit seinen Bürger*innen einen Fahrradplan für die Stadt entwickelte

Von
Sören Fillet
27/10/2021
6 Minuten
Einwohnerzahl:

Am Rand von Paris, im Département Val-de-Marne, liegt Charenton-le-Pont – eine ruhige Stadt mit 31.000 Einwohner*innen. Am Zusammenfluss von Marne und Seine, direkt am Bois de Vincennes gelegen, hat die Stadt alle Voraussetzungen, um zu einem Zentrum für Radverkehr und andere aktive Mobilitätsformen zu werden. Und was liegt da näher, als die Bürger*innen einzubeziehen, um gemeinsam einen durchdachten Fahrradplan zu entwickeln?

Die wichtigsten Ergebnisse:

500+ Teilnehmende

Bürger*innen trugen zur Entwicklung des städtischen Fahrradplans bei.

Fast 400 Beiträge

Das Projekt sammelte über mehrere Aktivitäten hinweg Ideen, Stimmen und Kommentare.

Mix aus Online- und Präsenzbeteiligung

Bürger*innen konnten sich über Umfragen, kollaborative Karten, Online-Aktivitäten und Nachbarschaftsworkshops beteiligen.

Innerhalb weniger Monate hat die Stadt Charenton eine Online-Plattform namens La Fabrique Citoyenne aufgebaut. Über sie wurden die Bürger*innen zu allen relevanten Aspekten der Umsetzung eines groß angelegten Fahrradplans befragt – mehr als 500 Charentonnais*innen haben mitgemacht. Hier ein Einblick, wie dieses Projekt gelungen ist!

Ein günstiges Umfeld

„In welcher Stadt wollen wir leben und unsere Kinder aufwachsen sehen? Die ökologische Dringlichkeit und die Veränderungen, die unser gemeinschaftliches wie persönliches Leben prägen, zwingen uns dazu, unsere Art des Zusammenlebens und der täglichen Fortbewegung zu überdenken. Unser Gebiet anzupassen ist notwendig geworden, um gesündere und für alle zugängliche Wege des Radfahrens zu ermöglichen!“ — Aurélia Girard, Stadträtin für die ökologische Transition

Radfahren als alltägliches Fortbewegungsmittel kommt allen zugute und trägt zu den aktuellen ökologischen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen bei. Fahrräder erhalten die Luftqualität, da sie keine Emissionen verursachen. Sie sind gut für die körperliche und mentale Gesundheit, unter anderem durch weniger stressige Fahrten mit stabiler Dauer, selbst zu Stoßzeiten. Und schließlich ist es eine wirtschaftliche Mobilitätslösung, die auch hochwertige lokale Arbeitsplätze schafft.

Deshalb fördert die Stadt Charenton seit mehreren Jahren das Radfahren auf ihrem Gebiet durch zahlreiche Maßnahmen: den Ausbau von Radwegen, geteilte Vélib'-Räder, finanzielle Unterstützung beim Kauf, der Reparatur oder dem Schutz von Fahrrädern, regelmäßige Reparaturworkshops und Fahrradunterricht für Kinder.

In diesem proaktiven Rahmen wollte die Stadtverwaltung einen kommunalen Fahrradplan gemeinsam mit den Bürger*innen und anderen Nutzer*innen des öffentlichen Raums entwickeln.

Ein maßgeschneiderter kommunaler Fahrradplan

Damit Charenton-le-Pont weiterhin eine Stadt bleibt, in der es sich gut leben lässt, und sich aktiv für nachhaltige Entwicklung einsetzt, ist es unerlässlich, der wachsenden Bedeutung des Radverkehrs Raum zu geben – und das gemeinsam mit den Charentonnais*innen! Die Stadtverwaltung hat in den vergangenen Monaten ihre Instrumente der Bürgerbeteiligung eingesetzt, um den Dialog rund um das Thema Fahrrad zu fördern. - Fabien Benoit, Stadtrat für Bürgerbeteiligung, Bürgerschaft, weiterführende Bildung und Digitales

Ziel dieses Fahrradplans ist es, das Radfahren in Charenton zu erleichtern, aber auch die Anbindung an die Metropole Paris zu verbessern. Damit soll das Radwegenetz des Gebiets verdichtet und verbessert werden, um Sicherheit und Durchgängigkeit für Radfahrende zu gewährleisten, aber auch die verschiedenen Fortbewegungsarten harmonisch miteinander in Einklang zu bringen, unter Wahrung des Platzes und der Sicherheit aller: Fußgänger*innen, Radfahrende und Autofahrende.

Um alle Betroffenen einzubeziehen, nutzte die Stadtverwaltung La Fabrique Citoyenne, die gemeinsam mit CitizenLab lancierte Online-Plattform für Bürgerbeteiligung, für ein mobilisierendes Projekt – Charenton aktiviert seinen Fahrradplan! – das mehrere Schlüsselthemen behandelte: Radwege, Straßengestaltung, Beschilderung, Parken, Instandhaltung und Reparatur, Sicherheit, Bildung und mehr.

Hier die Schritte des Prozesses:

1. Phase: umfassende Bestandsaufnahme im Vorfeld

Eine technische Bestandsaufnahme

Ein Lenkungsausschuss und ein technischer Ausschuss führten im Vorfeld des Projekts eine Vor-Ort-Bestandsaufnahme durch, um die bestehenden Einrichtungen zu erfassen und die relevantesten zu erschließenden Bereiche zu bestimmen.

Eine erste Umfrage

Anfang 2021 wurde eine erste Umfrage unter den Bürger*innen zum Thema Mobilität und insbesondere Radfahren durchgeführt. Die hohe Beteiligung zeigte, dass diese Themen einen festen Platz in der lokalen Debatte hatten. Die Umfrage brachte auch die wichtigsten Anliegen der Teilnehmenden zutage: die Klarheit der Beschilderung und Einrichtungen, die Durchgängigkeit des Netzes, Sicherheit, Parkmöglichkeiten und geteilte Services.

2. Phase: Information und gemeinsame Entwicklung des Fahrradplans

Um diese Beteiligungsphase erfolgreich zu gestalten und dafür zu sorgen, dass sich alle damit identifizieren, entschied sich die Stadtverwaltung dafür, mehrere Module mit unterschiedlichen Themen und Methoden anzubieten:

Ein Quiz zur Information

Eine Reihe von Fragen zu Radfahrgewohnheiten, Beschilderung, Hauptachsen, Radinfrastruktur und mehr.

Beteiligungsworkshops den ganzen Sommer über

Vom 3. Juli bis zum 18. September waren die Nutzer*innen der Stadt zu Online-Workshops, aber auch zu Workshops in den Stadtvierteln eingeladen, darunter fünf Straßen-Workshops mit gewählten Vertreter*innen, um Fragen zu stellen und ihre Meinung zu Radverkehrsanlagen und zur Aufteilung des öffentlichen Raums unter allen Mobilitätsformen zu äußern.

Eine Konsultation mit einer Ideenkarte

Das Thema: Nutzung des öffentlichen Raums: Haben Sie eine Idee dazu? Die Nutzer*innen waren eingeladen, auf einer Karte Orte zu markieren, die sie verbessert sehen wollten, und wie. Anschließend konnten sie die vorgeschlagenen Ideen liken und kommentieren.

Eine kollaborative Karte für Reparaturstationen

Die Teilnehmenden konnten Standorte für künftige Reparatur- und Aufpumpstationen vorschlagen und anschließend die Vorschläge liken und kommentieren.

Eine kollaborative Karte für Fahrradständer

Radfahrende konnten Standorte für künftige Fahrradständer vorschlagen. Jede*r Teilnehmende konnte drei Vorschläge einreichen und anschließend über eine der 14 in der finalen Phase ausgewählten Optionen abstimmen.

Ein vielseitiges Vorgehen also, um möglichst viele Nutzer*innen zu erreichen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Meinung zu äußern und Vorschläge zu machen. Die Beteiligungsphase des kommunalen Fahrradplans endete am 30. September.

3. Phase: Auswertung der Ergebnisse

Die Beiträge der Bürger*innen werden derzeit ausgewertet und fließen in den endgültigen Plan der Stadtverwaltung ein. Die Ergebnisse werden allen Teilnehmenden und Nutzer*innen auf der Plattform für Bürgerbeteiligung mitgeteilt. Dieser kommunale Fahrradplan wird die bereits bestehenden Radverkehrsanlagen ergänzen und verbessern, und auch das Département Val-de-Marne wird bei der Gestaltung der in seiner Zuständigkeit liegenden Wege einbezogen.

Wirkung und Ausblick für die Bürgerbeteiligung

Es ist noch etwas früh, um endgültige Schlüsse aus den Ergebnissen zu ziehen. Aber die mehr als 1.200 Besuche und die fast 800 Registrierungen auf der Online-Beteiligungsplattform, im Rahmen des Fahrradplans und des Starts der Quartiersräte, sind sehr ermutigende Zeichen dafür, dass die Menschen in Charenton bereit sind, sich für Themen einzusetzen, die ihren Alltag betreffen. Der Fahrradplan von Charenton erhielt fast 400 Beiträge (Ideen, Stimmen, Kommentare).

Mobilität und nachhaltige Entwicklung sind wichtige Herausforderungen, und Bürgerbeteiligung ist ein hervorragendes Instrument, damit Kommunen von der kollektiven Intelligenz profitieren, relevante Politik gestalten und ihre Bürger*innen beruhigen können.

Aufbauend auf dieser Erfahrung mit dem kommunalen Fahrradplan hofft die Stadt Charenton, in der gemeinsamen Gestaltung der Stadt mit ihren Bürger*innen noch weiter zu gehen, unter anderem durch die Einführung eines Bürgerhaushalts über die Plattform La Fabrique Citoyenne.

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Sören Fillet

Sören hat ein tiefes Interesse an Politik und demokratischer Innovation. Er strebt danach, Geschichten zu erzählen, die Verwaltungen inspirieren und zu wirkungsvollerer Beteiligung anregen.