

Linz (204.846 Einwohner*innen), die drittgrößte Stadt Österreichs, ist bekannt für ihre barocke Architektur, ihre Museen, ihr Zentrum für elektronische Kunst … und ihr Engagement für digitale Demokratie. 2019 hat die Stadt eine neue Beteiligungsplattform eingeführt, um die Beteiligung der Öffentlichkeit weiter auszubauen: Einwohner*innen können seitdem zu jedem Thema, von überall und jederzeit mitreden.
Der beliebte Bottom-up-Ansatz brachte über 150 Vorschläge und mehr als 25 Folgegespräche hervor.
Die Partnerschaft mit einer externen Plattform ermöglichte eine Kostenteilung und sorgte für laufende Updates und Verbesserungen der Plattform.
Der Innovation Hub wurde zu einer wichtigen Schnittstelle und stärkte die Verbindungen innerhalb des Gemeinderats und zu Institutionen in ganz Linz.
Die Plattform war nicht Linz' erste Berührung mit digitaler Demokratie. Die Stadt hatte bereits eine Beteiligungsplattform sowie eine mobile App, über die Einwohner*innen Probleme auf der Straße melden konnten. Beide Initiativen waren Wege, um mit der Öffentlichkeit in Kontakt zu treten, reichten aber nicht aus. Die Projekte auf der alten Plattform hatten eine kurze Lebensdauer und beschränkten sich auf eine Handvoll Themen, was ziemlich einschränkend war. Zudem wurde die Plattform intern von der Stadt entwickelt, und die eingesetzte Technologie war nicht fortschrittlich genug.
Weil eine robustere Lösung nötig war, entschied sich die Stadt für die Plattform von Go Vocal und führte die "Vorschläge" ein, eine Bottom-up-Beteiligungsmethode, mit der Einwohner*innen jederzeit ihre Ideen zu jedem Thema mit der Stadt teilen können.
Silvia Hackl, Leiterin Innovation & Beteiligung der Stadt Linz, erklärt: "Unsere Einstiegsregel ist einfach: Erreicht ein Vorschlag innerhalb von 60 Tagen 50 Stimmen, bringt unser Team die einreichende Person je nach Thema mit relevanten Expert*innen zusammen und lädt sie zu einem Gespräch ein. Dabei prüfen wir die Umsetzbarkeit des Vorschlags und besprechen mögliche Herausforderungen. Offener Austausch ist entscheidend, deshalb veröffentlichen wir auch ein offizielles Update auf der Plattform, um die Öffentlichkeit auf dem Laufenden zu halten."
Dieser Bottom-up-Ansatz ist ein Erfolg. Er ist eine beliebte Art für Einwohner*innen von Linz, sich einzubringen: Über 150 Vorschläge zu ganz unterschiedlichen Themen wurden bereits eingereicht, und mehr als 25 Gespräche zu Ideen haben schon stattgefunden.
"Neben den Vorschlägen erhalten wir auch zahlreiche Ideen und Anregungen über andere Beteiligungsprojekte, etwa PopUp-Store und Linz hACkT. Diese fließen in verschiedene Initiativen ein, unter anderem in die Klimaanpassungsstrategie und das Programm Digital Linz", ergänzt Silvia.
Die Partnerschaft mit Go Vocal ermöglicht es Linz, die Kosten für Investitionen in neue Technologie mit anderen Städten zu teilen. Wie der Projektleiter des IT-Beratungspartners von Linz erklärt: "Mit einem externen Partner zusammenzuarbeiten bedeutet, dass die Kosten der Technologieinvestition geteilt werden und die Plattform von regelmäßigen Updates und Verbesserungen profitiert — etwas, das wir uns allein nicht hätten leisten können."
Der Innovation Hub feiert 2024 sein fünfjähriges Bestehen. Silvia: "Wir sind zu einer wichtigen Schnittstelle geworden — nicht nur innerhalb des Gemeinderats, sondern auch bei zahlreichen Institutionen und Netzwerken in und um Linz. Dieser Erfolg zeigt, welche Wirkung das Programm entfaltet."
Die Initiative, Einwohner*innen die Möglichkeit zu geben, Vorschläge einzureichen, ging vom Bürgermeister selbst aus. Die Stadt organisierte mehrere interne Abstimmungstermine, um zentrale Projekte zu identifizieren und zu bestimmen, welche davon die größte Wirkung haben würden. Starke Unterstützung durch die politische Führung ist entscheidend, und im Fall von Linz sorgte der Umstand, dass sich der Bürgermeister selbst für die Idee der Bürgervorschläge einsetzte, für Rückhalt auf höchster Ebene.
"Es ist entscheidend, dass Bürgervorschläge starke politische Unterstützung erhalten."
Effektive Kommunikation ist entscheidend für den Erfolg des Projekts. Die Stadt entwickelte einen umfassenden Kommunikationsplan für den Start: Das Beteiligungsteam erarbeitete die Botschaften, und das Kommunikationsteam übernahm Gestaltung und Umsetzung der Kampagnen. Sie sind sehr präsent in den sozialen Medien, um ihre Nutzer*innenbasis zu vergrößern, mit erfolgreichen bezahlten Kampagnen auf Facebook und digitaler Beschilderung in der ganzen Stadt.
Silvia: "Um möglichst viele unterschiedliche Menschen, Altersgruppen und Interessengruppen zu erreichen, kann digitale Beteiligung jedoch nur eine Ergänzung zu anderen — vor allem physischen — Methoden sein. Bei manchen unserer Formate, etwa den Smartphone-Tagen für ältere Einwohner*innen, sehen wir, dass weniger digital versierte Menschen weiterhin Offline-Beteiligung bevorzugen. Deshalb steht vor unserem Büro ein Schild mit der Aufschrift "Offen für neue Ideen". Die Menschen in Linz können buchstäblich mit ihren Vorschlägen bei uns vorbeikommen. Wir sind außerdem oft mit interaktiven Kampagnen in den Stadtteilen unterwegs. Der direkte Austausch bei öffentlichen Veranstaltungen, in begleiteten Workshops und Bürger*innen-Panels ist uns sehr wichtig, damit möglichst viele Menschen die Möglichkeit haben, sich einzubringen. Ganz im Sinne unseres Mottos: mitgestalten, mitreden, mitmachen!"

Eine Plattform für Beiträge aus der Öffentlichkeit zu öffnen, kann einschüchternd wirken, vor allem wegen möglicher negativer Reaktionen oder der Sorge, Erwartungen zu managen. Die Erfahrung von Linz zeigt jedoch, dass es sich auszahlt. Negative Kommentare sind selten, und Moderationsoptionen helfen, den Austausch im Griff zu behalten.
Das Beteiligungsteam schätzt, wie gut die Plattform interessante Gespräche anstößt. Selbst wenn ein Vorschlag nicht umgesetzt werden kann, nutzt das Team die Gelegenheit, mit Einwohner*innen ins Gespräch zu kommen und die Gründe für die Entscheidung zu erklären. Klare Prozesse sind hilfreich, um erfolgreich zu sein, doch das meiste lernt man aus der Praxis.
Klare Prozesse sind hilfreich, um erfolgreich zu sein, doch das meiste lernt man aus der Praxis. Eine gute Vorbereitung ist wichtig, aber genauso wichtig ist es, flexibel zu bleiben und sich an Entwicklungen anzupassen. Lassen Sie sich also nicht von der Angst zurückhalten — wagen Sie den Schritt und starten Sie den Dialog!
"Es kann beängstigend sein, die Plattform zu öffnen und Einwohner*innen eine Stimme zu geben. Sie befürchten vielleicht negative Reaktionen auf der Plattform Ihrer Stadt, aber es ist ein Risiko, das Sie eingehen sollten."
Möchte Ihre Kommune Bürger*innen eine Stimme bei lokalen politischen Entscheidungen geben? Unsere Beteiligungsexpert*innen zeigen Ihnen gerne wie unsere digitale Beteiligungsplattform Sie unterstützen kann, Ihre Ziele zu erreichen!

Waddinxveen, eine Gemeinde in der Provinz Südholland, ist die am schnellsten wachsende Stadt der Niederlande und zählt heute fast 35.000 Einwohner*innen. 30 % von ihnen sind unter 25 Jahre alt, und bis 2050 wird dieser Anteil auf 40 % steigen. Dieser demografische Trend hat für die Gemeinde eine drängende Frage aufgeworfen: Wie bezieht man selbst die jüngsten Einwohner*innen in Entscheidungen über die Zukunft ein? Esther van Ellinkhuizen, Mitarbeiterin für Ratsangelegenheiten und Kinderbeteiligung, erklärt, wie sie das macht.
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In Rijswijk, einer Kommune mit rund 57.000 Einwohner*innen in Südholland, liegt ein Ort mit bemerkenswerter Geschichte. Am Hof van Sion entdeckten Archäolog*innen die Überreste eines Klosters aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Heute ist der Hof van Sion Teil von RijswijkBuiten, einem nachhaltigen neuen Stadtviertel. Als die Kommune dort einen neuen Gemeinschaftstreffpunkt schaffen wollte, fragte sie die Einwohner*innen, was sie sich wünschten. Diese teilten ihre Ideen online über eine interaktive Karte.

Amstelveen, direkt vor den Toren Amsterdams gelegen, arbeitet gemeinsam mit den Einwohner*innen an einer grüneren, einladenderen und inklusiveren Stadt. Über die Online-Beteiligungsplattform können Einwohner*innen langfristige Pläne für die Stadt mitgestalten, sich an der Planung neuer Stadtviertel beteiligen und Ideen für kleinere Verbesserungen einbringen, die im Alltag einen sichtbaren Unterschied machen.